Tiere
Windräder retten Vögel
Windenergie erzeugt Strom, ohne dass während des Betriebs Brennstoffe verbrannt werden. Dennoch können Windkraftanlagen für Vögel, die in ihrer Nähe fliegen, eine Gefahr darstellen.
Forschende untersuchen deshalb eine vergleichsweise einfache Lösung: ein Rotorblatt wird in einer kontrastierenden Farbe gestrichen.
Eine Studie an einem Windpark im Süden Spaniens ergab, dass diese Maßnahme mit einem deutlichen Rückgang tödlicher Vogelkollisionen verbunden war. Die Ergebnisse sind vielversprechend. Weitere Untersuchungen müssen jedoch zeigen, wie gut die Methode in unterschiedlichen Landschaften und unter verschiedenen Bedingungen funktioniert.
Warum kontrastierende Farben helfen könnten
Die Rotorblätter von Windkraftanlagen drehen sich schnell. Dadurch können Vögel ihre Bewegung nur schwer einschätzen. Je nach Hintergrund und Sichtverhältnissen verschwimmen die rotierenden Blätter optisch, sodass die Tiere das Hindernis möglicherweise nicht rechtzeitig erkennen.
Wird ein Rotorblatt in einer deutlich abweichenden Farbe gestrichen, könnte die gesamte Konstruktion besser sichtbar werden. Der stärkere Kontrast hilft Vögeln möglicherweise dabei, die Bewegung der Blätter frühzeitig wahrzunehmen und ihren Flug anzupassen.

Im Gegensatz zu aufwendigen technischen Veränderungen setzt dieser Ansatz vor allem auf eine bessere Sichtbarkeit. Er könnte andere Maßnahmen zum Schutz von Wildtieren an Standorten erneuerbarer Energien sinnvoll ergänzen.
Was die spanische Studie ergab
Die Untersuchung fand im Windpark El Ruedo in Cádiz im Süden Spaniens statt. Die Forschenden werteten Beobachtungsdaten aus den Jahren 2012 bis 2024 aus und verglichen die Situation vor und nach dem Anstrich ausgewählter Rotorblätter.
Von den insgesamt 20 Windkraftanlagen erhielten vier einen schwarzen Anstrich auf jeweils einem Rotorblatt. Die übrigen 16 Anlagen dienten als Vergleichsgruppe. Anschließend untersuchten die Wissenschaftler, wie sich die Zahl der tödlich verunglückten Vögel entwickelte.
Die Auswertung zeigte, dass die jährliche Zahl der Vogeltodesfälle an den behandelten Anlagen im Vergleich zu den nicht gestrichenen Anlagen um rund 74 Prozent zurückging.
Das deutet darauf hin, dass eine bessere Sichtbarkeit der Rotorblätter das Kollisionsrisiko verringern könnte. Allerdings lässt sich daraus nicht ableiten, dass jeder Windpark dieselbe Verbesserung erzielen wird.
Die Wirkung unterscheidet sich je nach Vogelgruppe
Die Forschenden untersuchten auch, wie sich die Maßnahme auf verschiedene Vogelgruppen auswirkte. Bei kleinen Singvögeln und anderen Sperlingsvögeln wurde ein geschätzter Rückgang der Todesfälle um etwa 74 Prozent festgestellt.
Auch bei größeren Wasservögeln, darunter Reiher und Störche, zeigten sich ermutigende Ergebnisse. An den gestrichenen Anlagen wurden nach der Behandlung keine Todesfälle aus dieser Gruppe registriert. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Anstrich sämtliche Kollisionsrisiken ausschließt.
Weniger eindeutig waren die Ergebnisse bei Greifvögeln und Arten, die ihre Nahrung während des Fluges aufnehmen. Für keine dieser beiden Gruppen ließ sich eine statistisch signifikante Verringerung der Todesfälle nachweisen.
Diese Unterschiede verdeutlichen eine wichtige Einschränkung: Vögel unterscheiden sich in ihrem Flugverhalten und ihrer Wahrnehmung. Eine Maßnahme, die einer Gruppe zugutekommt, muss daher nicht bei allen Arten gleichermaßen wirksam sein.
Wie frühere Studien abschneiden
Die spanischen Ergebnisse ergänzen frühere Untersuchungen zur besseren Sichtbarkeit von Windradflügeln. Eine Studie aus Norwegen berichtete von einem Rückgang der Vogeltodesfälle um mehr als 70 Prozent, nachdem jeweils ein Rotorblatt schwarz gestrichen worden war.
Auch in Südafrika wurde nach dem Aufbringen eines kontrastierenden roten Musters ein deutlicher Rückgang festgestellt.
Eine Untersuchung in den Niederlanden konnte dagegen insgesamt keine statistisch signifikante Verringerung nachweisen. Unterschiede bei den örtlichen Vogelpopulationen, den Landschaften und den Untersuchungsbedingungen könnten erklären, warum die Ergebnisse nicht überall gleich ausfallen.
Insgesamt sprechen die bisherigen Erkenntnisse dafür, den Ansatz weiter zu erforschen. Sie beweisen jedoch nicht, dass ein kontrastierender Anstrich an jedem Standort gleichermaßen erfolgreich sein wird. Weitere Studien könnten zeigen, welche Farbgestaltungen und Standorte besonders geeignet sind.
Welche Herausforderungen es bei der Umsetzung gibt
Ein Rotorblatt in einer anderen Farbe zu streichen, klingt zunächst unkompliziert. In der Praxis kann die Umsetzung an bestehenden Windkraftanlagen jedoch teuer und aufwendig sein.
Arbeiten in großer Höhe erfordern spezielle Ausrüstung, sorgfältige Planung und geeignete Sicherheitsmaßnahmen. Auch technische Anforderungen müssen berücksichtigt werden. Die Beschichtung darf beispielsweise die zulässigen Gewichtsgrenzen, die Haltbarkeit und den sicheren Betrieb der Anlage nicht beeinträchtigen.
Deshalb müssen die Hersteller prüfen, ob eine bestimmte Beschichtung für ihre jeweiligen Windkraftanlagen geeignet ist.
Ein möglicher Fortschritt für den Vogelschutz
Ein einzelnes Rotorblatt in einer kontrastierenden Farbe könnte eine vergleichsweise einfache Möglichkeit bieten, Vogelkollisionen zu reduzieren, ohne die Stromerzeugung der Windkraftanlage grundsätzlich zu verändern.

Die spanische Studie liefert ermutigende Hinweise, insbesondere für bestimmte Vogelgruppen. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass die Methode nicht bei allen Arten nachweislich gleich wirksam ist.
Weitere Untersuchungen müssen klären, wie breit sich der Ansatz einsetzen lässt und ob seine Vorteile unter unterschiedlichen Bedingungen bestehen bleiben. Mit sorgfältiger Umsetzung und fortgesetzter Forschung könnte eine bessere Sichtbarkeit der Rotorblätter künftig dazu beitragen, Windenergie und den Schutz von Wildtieren besser miteinander zu vereinbaren.