Tiere

Hunde spüren unsere Gefühle

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Ihr Hund in Ihrer Nähe bleibt, wenn Sie einen schwierigen Tag haben, oder dass er aufgeregt reagiert, wenn sich die Stimmung im Raum ändert? Diese Reaktionen können fast rätselhaft wirken, doch die Forschung legt nahe, dass Hunde sehr aufmerksam auf menschliche emotionale Signale achten.
Sie verstehen Emotionen zwar nicht unbedingt auf die gleiche Weise wie Menschen, können aber Informationen aus unserem Gesichtsausdruck, unserer Stimme, unserer Körperhaltung und unserem Verhalten gewinnen, um ihr eigenes Verhalten darauf abzustimmen.

Hunde achten auf mehr als nur auf Worte

Hunde verlassen sich bei der Kommunikation stark auf Geräusche, Bewegungen und Körperhaltung – und sie achten auf ähnliche Signale bei Menschen.
In einer 2016 in der Fachzeitschrift *Biology Letters* veröffentlichten Studie fanden Natalia Albuquerque und ihre Kollegen heraus, dass Hunde länger auf Gesichter blickten, deren emotionaler Ausdruck mit dem positiven oder negativen Tonfall der dazugehörigen Laute übereinstimmte. Dies deutet darauf hin, dass Hunde Informationen aus dem, was sie sehen und hören, miteinander verknüpfen können.
Eine fröhliche Stimme, ein angespannter Gesichtsausdruck oder eine plötzliche Verhaltensänderung können einem Hund daher wertvolle Hinweise liefern – selbst wenn die Worte an sich für ihn kaum eine Bedeutung haben.

Gesichtsausdrücke können Hinweise liefern

Das Gesicht eines Menschen kann einem Hund nützliche Informationen vermitteln. Studien haben gezeigt, dass Hunde zwischen verschiedenen menschlichen Gesichtsausdrücken unterscheiden können, darunter positive und negative. Auch ihre Erfahrungen im Umgang mit Menschen können beeinflussen, wie sie menschliche Gesichter wahrnehmen und verarbeiten.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Hunde jeden Gesichtsausdruck genauso interpretieren wie wir Menschen. Die Forschung legt nahe, dass sich ihre Aufmerksamkeitsschwerpunkte von unseren unterscheiden. So achten Hunde beispielsweise möglicherweise stärker auf den gesamten Körper, anstatt sich ausschließlich auf das Gesicht zu konzentrieren.

Auch die Körpersprache zählt

Haltung und Bewegung spielen eine entscheidende Rolle dabei, wie Hunde Menschen wahrnehmen. Eine Studie, die untersuchte, wie Hunde und Menschen emotionale körperliche Ausdrucksformen deuten, ergab, dass Hunde – sowohl bei der Betrachtung von Menschen als auch von Artgenossen – stärker auf den Körper als auf den Kopf achten.
Dies erklärt, warum ein Hund anders reagieren kann, wenn sich eine vertraute Person plötzlich bewegt, anspannt oder ihre gewohnte Haltung verändert. Der Hund nimmt dabei verschiedene Informationen gleichzeitig auf, anstatt sich nur auf ein einzelnes Signal zu verlassen.

Hunde können verschiedene Signale kombinieren

Eine besonders interessante Erkenntnis ist, dass Hunde Informationen aus unterschiedlichen Sinneskanälen miteinander verknüpfen können. Studien haben gezeigt, dass Hunde visuelle Ausdrucksformen mit emotionalen Lautäußerungen verbinden und erkennen können, ob diese Signale eine ähnliche emotionale Qualität aufweisen.
Diese Fähigkeit ist im Alltag sehr nützlich. Stellen Sie sich vor, jemand spricht in einem fröhlichen Tonfall und zeigt dabei einen entspannten Gesichtsausdruck – diese Kombination liefert dem Hund ein stimmiges Gesamtbild. Ändern sich Stimme oder Körpersprache der Person jedoch deutlich, kann auch der Hund sein Verhalten entsprechend anpassen.

Wissen Hunde, wenn jemand traurig ist?

Hunde nähern sich manchmal Menschen, die weinen oder sich in einer Notlage befinden – doch die genauen Beweggründe für dieses Verhalten sind komplex.
In einer 2018 in der Fachzeitschrift *Learning & Behavior* veröffentlichten Studie beobachteten Emily Sanford und ihr Team Hunde, deren Besitzer sich hinter einer Tür befanden – entweder weinend oder summend. Die Hunde öffneten die Tür in beiden Fällen, doch wenn ihre Besitzer weinten, taten sie dies deutlich schneller.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass manche Hunde unterschiedlich auf Anzeichen menschlichen Leids reagieren. Dass sich ein Hund einer verstörten Person nähert, beweist jedoch nicht zwangsläufig, dass er Traurigkeit versteht oder die Absicht hat, im menschlichen Sinne Trost zu spenden.

Jeder Hund reagiert anders

Hunde sind Individuen; ihre Reaktionen können je nach Erfahrung und Umständen variieren. Die Forschung zeigt, dass der regelmäßige Kontakt mit Menschen beeinflusst, wie Hunde menschliche Gesichter und emotionale Ausdrücke verarbeiten.
Das Gesicht, die Stimme, die Körperhaltung und die gewohnten Verhaltensmuster einer vertrauten Person liefern dem Hund besonders wertvolle Informationen, da er ausreichend Gelegenheit hatte, diese Muster zu erlernen. Dies kann dazu führen, dass manche Reaktionen des Hundes erstaunlich passend und zeitlich genau abgestimmt wirken.
Auch wenn Hunde menschliche Emotionen möglicherweise nicht exakt so verstehen wie wir Menschen, sind sie doch überaus aufmerksam gegenüber den Signalen, die wir aussenden. Wenn ein Hund das nächste Mal in einem emotionalen Moment plötzlich in der Nähe bleibt, verspielt wird oder still beobachtet, könnte mehr dahinterstecken als bloßer Zufall.

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