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Goldkoralle entdeckt

Tief unter der Oberfläche des Pazifiks, wo kaum Sonnenlicht hinreicht, haben Wissenschaftler eine außergewöhnliche Entdeckung gemacht.
Auf felsigen Unterwasserbergen vor Costa Rica wächst eine leuchtend gelbe Koralle, die an einen winzigen goldenen Baum erinnert. Umgeben ist sie von Hunderten sternförmigen Meerestieren.
Ihr ungewöhnliches Aussehen erregte sofort Aufmerksamkeit.
Doch die größte Überraschung wartete im Labor: genetische Analysen zeigten, dass sich der Organismus so deutlich von allen bisher klassifizierten Korallen unterscheidet, dass die Forschenden eine völlig neue biologische Familie einrichten mussten.
Die im Oktober 2026 in der Fachzeitschrift ZooKeys beschriebene Entdeckung verdeutlicht einmal mehr, wie wenig die Wissenschaft über das Leben in der Tiefsee weiß.

Eine überraschende Entdeckung unter Wasser

Die neu beschriebene Art Laurinque elenya lebt auf unterseeischen Bergen vor der Pazifikküste Costa Ricas, unter anderem in Gebieten nahe der Insel Isla del Coco.
Die Forschenden entdeckten Kolonien in Tiefen zwischen 360 und 529 Metern. Einige Exemplare erreichen eine Höhe von mehr als einem Meter. Ihre filigranen gelben Äste breiten sich über dem felsigen Meeresboden aus.
Auch die Umgebung bot einen bemerkenswerten Anblick. Zahlreiche Schlangensterne, wirbellose Meerestiere, die mit Seesternen verwandt sind, bedeckten die Felsen rund um die Korallenkolonien. Zusammen bildeten sie eine ungewöhnliche Unterwasserlandschaft, die zur Namensgebung der neuen Art beitrug.

Ein Name aus Tolkiens Fantasiewelt

Bei der Namensgebung ließen sich die Forschenden von der fiktiven Elbensprache inspirieren, die der Schriftsteller J. R. R. Tolkien entwickelt hatte.
Der Gattungsname Laurinque leitet sich von Laurinquë ab, was auf Quenya, einer von Tolkien geschaffenen Elbensprache, „goldener Baum“ bedeutet. Der Name spielt auf die auffällige Farbe und die verzweigte Form der Koralle an.
Der Artname elenya, der mit Sternen verbunden ist beziehungsweise „sternförmig“ bedeutet, würdigt die Schlangensterne, die in ihrem Lebensraum vorkommen.
Obwohl die Namen literarische Wurzeln haben, beruht die wissenschaftliche Einordnung auf umfangreichen anatomischen und genetischen Untersuchungen.

Warum die Einordnung so schwierig war

Die Suche nach den nächsten Verwandten der Koralle erwies sich als überraschend kompliziert. Zunächst untersuchten die Forschenden drei Gene, die häufig zur Bestimmung evolutionärer Verwandtschaftsverhältnisse bei Korallen verwendet werden.
Doch jedes Gen deutete auf eine andere Familie hin. Diese widersprüchlichen Ergebnisse machten deutlich, dass herkömmliche genetische Vergleiche nicht ausreichten.
Deshalb setzte das Team auf die sogenannte Phylogenomik. Bei dieser Methode werden Hunderte von Genen gleichzeitig analysiert, um evolutionäre Beziehungen genauer zu bestimmen.
Die umfassendere Untersuchung offenbarte eine bislang unbekannte Entwicklungslinie. Zwar ist die neue Art am engsten mit Vertretern der Familie Eunicellidae verwandt, doch ihre genetischen und anatomischen Merkmale unterscheiden sich so deutlich, dass eine eigene Familie gerechtfertigt ist: die Laurinqueidae.

Was die leitende Forscherin herausfand

Dr. Odalisca Breedy von der Universität Costa Rica stieß erstmals 2019 während einer Forschungsexpedition auf die außergewöhnliche Korallengemeinschaft.
Sie berichtete, dass sie die Unterwasserlandschaft sofort beeindruckte. Anfangs vermutete sie jedoch, dass die Koralle zu einer bereits bekannten taxonomischen Gruppe gehörte.
Bei genaueren Untersuchungen entdeckte sie Merkmale, die nicht zu den bekannten Arten passten. Weitere Exemplare, die 2023 gesammelt wurden, ermöglichten Breedy und ihrem Team umfassendere molekulargenetische Analysen. Diese bestätigten schließlich die ungewöhnliche evolutionäre Stellung des Organismus.
Zum Einsatz kam das ferngesteuerte Unterwasserfahrzeug SuBastian. Es ermöglichte den Forschenden, Proben zu sammeln und Lebensräume in Tiefen zu untersuchen, die für gewöhnliche Tauchgänge unerreichbar sind.

Warum Tiefseekorallengärten wichtig sind

Korallengemeinschaften in der Tiefsee bieten zahlreichen Meeresorganismen einen wichtigen Lebensraum. Ihre verzweigten Strukturen schaffen geschützte Bereiche und zusätzliche Oberflächen, auf denen andere Arten leben, Nahrung finden und sich fortpflanzen können.
Diese Ökosysteme können eine beachtliche Artenvielfalt beherbergen, obwohl sie Hunderte Meter unter der Meeresoberfläche liegen.
Allerdings sind Tiefseekorallengärten empfindlich gegenüber Störungen. Besonders gefährlich sind Aktivitäten, bei denen der Meeresboden unmittelbar beschädigt wird.
Die Dokumentation bislang unbekannter Arten hilft Wissenschaftlern, diese Ökosysteme besser zu verstehen und einzuschätzen, welche Lebensräume besonderen Schutz benötigen.

Welche Entdeckungen stehen noch bevor?

Die Identifizierung einer völlig neuen Korallenfamilie zeigt, dass selbst grundlegende Teile der evolutionären Geschichte des Meeres noch nicht vollständig erforscht sind.
Die Unterwasserberge vor Costa Rica erweisen sich als besonders wertvolle Gebiete für die Biodiversitätsforschung. Weitere Expeditionen bringen immer wieder bislang unbekannte Organismen ans Licht.
Künftige Untersuchungen könnten weitere Arten entdecken, die mit Laurinque elenya verwandt sind, und zugleich aufklären, wie sich diese ungewöhnliche Entwicklungslinie herausgebildet hat.
Bis dahin steht die goldene Koralle beispielhaft für die erstaunlichen Entdeckungen, die in den am wenigsten erforschten Lebensräumen der Erde noch auf die Wissenschaft warten.

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