Pflanzen

Kakteen vermehren

Wenn wir Pflanzen lieben, gibt es kaum etwas Faszinierenderes als Kakteen.
Diese robusten, stacheligen Schönheiten sind weit mehr als bloße Dekoration – sie sind wahre Überlebenskünstler und lehren uns Geduld, Aufmerksamkeit und die richtige Pflege.
Heute schauen wir uns Schritt für Schritt an, wie wir Kakteen ganz einfach zu Hause vermehren und unsere Sammlung wachsen lassen können.

Veredeln: Rettung für empfindliche Kakteen

Manche Kakteen besitzen empfindliche Wurzeln, deren Wachstumskraft mit der Zeit nachlässt. In solchen Fällen ist das Veredeln eine hervorragende Methode, um die Pflanze zu retten. Als Unterlage eignet sich häufig ein säulenförmiger Kaktus. Dabei wird zunächst dessen Triebspitze entfernt und die Schnittfläche leicht geglättet.
Anschließend setzt man den wurzellosen Kaktus darauf und fixiert ihn mit einem Band oder einem kleinen Gewicht.
Nach ein bis zwei Wochen kann die Fixierung entfernt werden. Ist die Veredelung erfolgreich, wächst der Kaktus kräftig weiter. Diese Methode hilft nicht nur geschwächten Pflanzen, sondern beschleunigt oft auch das Wachstum oder unterstützt die Regeneration nach Wurzelschäden.

Kindel abtrennen: Neue Kakteen aus Ablegern

Viele Kakteen bilden von Natur aus kleine Ableger, sogenannte Kindel. Schneidet man die Triebspitze der Mutterpflanze zurück, entwickeln sich häufig neue Seitentriebe. Bei kugelförmigen Kakteen erscheinen diese direkt am Pflanzenkörper, während sie bei gegliederten oder fächerförmigen Arten in der Nähe der Hauptpflanze wachsen.
Sobald die Kindel ausreichend groß sind, können sie vorsichtig abgetrennt und separat eingepflanzt werden. Diese Methode ist einfach, zuverlässig und besonders beliebt bei Hobbygärtnern.

Aussaat: Vom Samen zur Pflanze

Kakteensamen entstehen häufig erst nach einer Fremdbestäubung. Dafür wird der Pollen einer Pflanze derselben Art vorsichtig auf die Narbe einer anderen Blüte übertragen – idealerweise am Nachmittag, wenn die Blüten vollständig geöffnet sind.
Nach erfolgreicher Bestäubung können die Blütenblätter entfernt werden, um Schimmelbildung vorzubeugen. Die Frucht entwickelt sich anschließend langsam und ist nach etwa 50 bis 60 Tagen reif. Dann werden die Samen entnommen, gereinigt, getrocknet und an einem kühlen, trockenen Ort aufbewahrt.
Vor der Aussaat sollte das Substrat desinfiziert werden. Kleine Samen werden auf die Erdoberfläche gestreut, größere mit etwas Abstand ausgelegt. Frühjahr und Herbst gelten als beste Aussaatzeit, da die Temperaturschwankungen die Keimung fördern.
Nach der Aussaat werden die Gefäße mit einer Glasscheibe oder einer transparenten Abdeckung versehen, um Wärme und Feuchtigkeit zu speichern. Während der Keimung sind eine gleichmäßige Feuchtigkeit, ausreichend Licht und eine gute Belüftung besonders wichtig.

Stecklinge: Schnell und zuverlässig vermehren

Auch die Vermehrung über Stecklinge ist unkompliziert. Die beste Zeit dafür ist von Mai bis Juni, im Gewächshaus ist sie sogar ganzjährig möglich.
Verwendet wird ein gut durchlässiges Substrat, beispielsweise aus Vermiculit, Perlit, grobem Sand und etwas Laubkompost. Von einer gesunden, ausgewachsenen Pflanze werden mit einem sauberen, desinfizierten Werkzeug geeignete Triebe abgeschnitten. Anschließend sollten die Schnittstellen fünf bis sieben Tage antrocknen.
Bei empfindlicheren Arten kann ein Bewurzelungshormon den Anwuchserfolg verbessern. Danach werden die Stecklinge flach in das Substrat gesetzt. Falls nötig, stützt man sie ab und drückt die Erde vorsichtig an.

Die richtige Pflege nach der Vermehrung

Nach dem Einpflanzen sollte das Substrat leicht feucht bleiben, jedoch niemals nass sein. Zu viel Wasser führt schnell zu Wurzelfäule.
Eine transparente Kunststoffabdeckung hilft dabei, die Feuchtigkeit zu halten, bis sich nach etwa einem Monat neue Wurzeln gebildet haben. Junge Kakteen sollten zunächst im Halbschatten stehen. Erst nach erfolgreicher Bewurzelung werden sie schrittweise an direkte Sonneneinstrahlung gewöhnt.
Auch die Jahreszeit spielt eine wichtige Rolle: im Frühjahr und Herbst fördern Temperaturunterschiede das Wachstum, im Sommer sorgen gute Belüftung und Schutz vor extremer Hitze für gesunde Pflanzen, während sie im Winter einen hellen, warmen und eher trockenen Standort bevorzugen.

Häufige Schädlinge und Krankheiten

Auch Kakteen können von Krankheiten und Schädlingen befallen werden. Wurzelfäule entsteht meist durch Staunässe oder schlecht durchlässiges Substrat. Befallene Pflanzenteile sollten sofort entfernt und die Schnittstellen mit Schwefel- oder Holzkohlepulver behandelt werden. Gleichzeitig muss das Gießverhalten angepasst werden.
Eine gute Belüftung hilft dabei, Krankheiten vorzubeugen. Gegen Schädlinge wie Schildläuse oder Spinnmilben kommen geeignete Pflanzenschutzmittel zum Einsatz.
Schnecken und Nacktschnecken lassen sich mit Kalk oder speziellen Schneckenkörnern fernhalten. Ameisen und Kakerlaken können mithilfe von Fallen oder Ködern bekämpft werden. Regelmäßige Kontrollen sorgen dafür, dass die Kakteen gesund und kräftig bleiben.

Fazit

Lykkers, Kakteen zu vermehren bedeutet weit mehr als nur Gartenarbeit. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, der Natur näherzukommen und das Wachstum neuer Pflanzen hautnah mitzuerleben. Ob durch Veredeln, Kindel, Aussaat oder Stecklinge – jede Methode vermittelt Geduld, Aufmerksamkeit und Freude am Gärtnern.
Mit etwas Übung können wir unsere Kakteen erfolgreich vermehren und uns viele Jahre an einer immer größer werdenden Sammlung erfreuen.

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