Tiere

Spürnasen im Einsatz

Von kleinen Katzen bis zu Schuppentieren: Spürhunde helfen bei der Suche nach schwer auffindbaren Arten

In den grasbewachsenen Zwergstrauchlandschaften der südafrikanischen Karoo sucht Michelle Marie Schroeder nach einer ganz besonderen Art von Kot.
Schwarzfußkatzen verbringen den Großteil des Tages versteckt in Höhlen und kommen hauptsächlich im Schutz der Dunkelheit hervor. Dadurch sind sie äußerst schwer zu erforschen. Deshalb setzt die Naturschutzbiologin auf ungewöhnliche Helfer: Lyka und Sebala, zwei Deutsch-Kurzhaar-Hunde, die darauf trainiert wurden, den Kot der Katzen anhand seines Geruchs aufzuspüren.
Wenn die Hunde eine Probe finden, legen sie sich hin und bleiben regungslos, um Schroeder darauf aufmerksam zu machen. Sie arbeitet mit der gemeinnützigen Organisation Canines for African Nature zusammen.
Bei der Suche auf eigene Faust fand Schroeder in mehr als einem Jahr lediglich vier Kotproben. Die zehnjährige Lyka hingegen hat innerhalb weniger Monate Hunderte von Proben aufgespürt und damit die Grundlage für eine nicht-invasive genetische Überwachung von Felis nigripes geschaffen.
„Ohne ihre Hilfe hätte ich wahrscheinlich nicht mehr als zehn Prozent der Kotproben gefunden“, erzählt sie Mongabay. „Außerdem ist es sehr schwierig, sie von den Hinterlassenschaften anderer kleiner Raubtiere zu unterscheiden. Die Hunde sind wesentlich genauer.“

Auf der Spur der Schwarzfußkatze

Auch Hal Brindley, Forscher am Institute for Communities and Wildlife in Africa der University of Cape Town, untersucht diese kleinen, schwer zu beobachtenden Raubtiere.
„Die Schwarzfußkatze zu erforschen, ist unglaublich schwierig, wenn man nicht auf invasive Methoden wie das Fangen und Anbringen von Halsbandsendern zurückgreifen möchte“, sagt er. „Gängigere nicht-invasive Methoden wie der Einsatz von Kamerafallen sind oft wenig effektiv. Die Suche nach Kot bietet dagegen eine wertvolle Alternative, ohne dass direkt in die Tiere eingegriffen werden muss.“
Dennoch können Schwarzfußkatzen auf diese Weise besonders schwer aufzuspüren sein.
Anders als andere Raubtiere, die ihren Kot normalerweise entlang von Wegen oder an erhöhten Stellen hinterlassen, um ihr Revier zu markieren, scheint F. nigripes ihn nahezu zufällig abzusetzen: in einem Erdferkelbau, unter Sträuchern oder an anderen unscheinbaren Stellen.
„Irgendwie ist jede Kotprobe eine Überraschung“, sagt Schroeder. „Deshalb bin ich vollständig auf die Hunde angewiesen.“
Schon eine kleine, gut erhaltene Kotprobe ermöglicht es Forschern, das Geschlecht des Tieres zu bestimmen und in manchen Fällen einzelne Katzen zu identifizieren. Mit genügend Proben können Wissenschaftler schätzen, wie viele Katzen in einem Gebiet leben, und herausfinden, wie einzelne Tiere oder Populationen miteinander verwandt sind.
Laboranalysen geben außerdem zunehmend Aufschluss darüber, was die Katzen fressen und welche Darmparasiten sie in sich tragen.
„Kotproben sind kleine Nuggets genetischer Informationen“, sagt Schroeder.
Bisher liefern die Ergebnisse ermutigende Nachrichten: Analysen von Proben aus zwei rund 700 Kilometer voneinander entfernten Gebieten in Namibia und Südafrika zeigen ein vergleichsweise gesundes Maß an genetischer Vielfalt.
„Wir haben zwischen den Populationen in diesem Teil der Karoo nur sehr geringe genetische Unterschiede festgestellt. Das deutet darauf hin, dass hier noch ein gewisser Genfluss stattfindet“, sagt Schroeder.
Mit anderen Worten: in den untersuchten Gebieten können sich Schwarzfußkatzen noch durch die halbtrockene Landschaft bewegen und miteinander fortpflanzen.
Allerdings betont sie, dass dies nur einen kleinen Teil der Karoo betrifft und noch unklar ist, ob sich dieses Muster auch an anderen Orten zeigt, an denen Populationen aufgrund einer stärkeren menschlichen Nutzung möglicherweise stärker voneinander isoliert sind.

Schuppentiere und Kaninchen auf der Spur

Der Erfolg von Lyka und Sebala bei der Suche nach Schwarzfußkatzen brachte Schroeder dazu, ein Pilotprojekt zur Untersuchung einer weiteren Art ins Leben zu rufen, die aufgrund ihrer Tarnung und ihrer nächtlichen Lebensweise nur schwer zu beobachten ist: Temmincks Schuppentier (Smutsia temminckii).
Ziel war es, genetisches Material aus dem Kot der Schuppentiere zu gewinnen und damit eine georeferenzierte DNA-Datenbank aufzubauen. Diese könnte dabei helfen, die Herkunft von Schuppen zurückzuverfolgen, die bei illegalen Schmuggeloperationen beschlagnahmt wurden.
Die Schuppentiere stellten die Forscher vor neue Herausforderungen. „Im Gegensatz zu Raubtieren, deren Kot wochenlang erhalten bleiben kann, zersetzen sich die Ausscheidungen von Schuppentieren – die hauptsächlich aus Termiten und Sand bestehen – sehr schnell und verschwinden innerhalb von ein bis zwei Tagen, insbesondere in trockenen Gebieten“, erklärt Schroeder.
Hinzu kommt, dass Schuppentiere nur einmal am Tag Kot absetzen, wodurch die Zahl der verfügbaren Proben äußerst begrenzt ist.
Schroeder entwickelte daher eine andere Strategie: ihre Hunde begannen, nach Futterplätzen zu suchen und folgten dabei dem starken Geruch, den Schuppentiere beim Graben hinterlassen. An diesen Stellen konnten die Forscher frische biologische Spuren sammeln, darunter Kot und andere von den Tieren hinterlassene Materialien, aus denen sie DNA gewinnen konnten.
„Ihr wichtigster Verteidigungsmechanismus besteht darin, sich zu einer Kugel zusammenzurollen und sich durch ihre Schuppen zu schützen“, sagt Schroeder. „Das funktioniert gegen Raubtiere wie Hyänen, aber nicht gegen Menschen. Genau diese Strategie macht sie im Zusammenhang mit illegalem Handel leichter einzufangen. Tatsächlich wird vermutet, dass viele Jäger Hunde einsetzen, um sie aufzuspüren. Die Herausforderung besteht darin, dasselbe Hilfsmittel für den Naturschutz einzusetzen.“
Das Schuppentier-Projekt wurde jedoch im September 2025 auf Eis gelegt, nachdem die erwartete Finanzierung ausblieb. Obwohl die Hunde bereits ausgebildet waren, konnte Schroeder bislang keine alternative Finanzierung sichern, um die Feldarbeit und Laboranalysen wieder aufzunehmen.
Rox Brummer, Direktorin von Green Dogs Conservation, einer in der südafrikanischen Provinz Limpopo ansässigen Nichtregierungsorganisation, bildet Hunde für eine Vielzahl von Aufgaben im Wildtierschutz aus. Dazu gehört unter anderem, wilde Geparden von Nutztieren fernzuhalten und bei der Untersuchung von Gebieten auf das gefährdete Flusskaninchen (Bunolagus monticularis) zu helfen.
„Hunde haben keine Vorurteile“, sagt Brummer gegenüber Mongabay. „Sie folgen Gerüchen völlig unvoreingenommen. Während Forscher mit Hypothesen darüber beginnen, wo sich Tiere befinden könnten, folgen Hunde einfach der Geruchsspur. Dadurch können unerwartete Muster sichtbar werden.“
Aliénor Brassine, eine Ökologin, die ebenfalls mit Canines for Nature arbeitet, hat Spürhunde gemeinsam mit Kamerafallen eingesetzt, um Flusskaninchen in der Karoo aufzuspüren.
„Die Kombination verschiedener Methoden verbessert die Ergebnisse und ermöglicht es uns, bessere Entscheidungen zu treffen“, sagt sie. Die Bestätigung, dass die Kaninchen in Gebieten vorkommen, die für Windenergieprojekte vorgesehen sind, half dabei, wichtige Lebensräume zu identifizieren und Projekte zu verhindern, die ihnen hätten schaden können. „Es ist viel einfacher, einen Projektentwickler davon zu überzeugen, dass ein Lebensraum sensibel ist, wenn man Beweise dafür hat, dass die Art ihn tatsächlich nutzt.“
Die Forscher sind sich einig, dass das Potenzial von Spürhunden zur Suche nach weiteren gefährdeten Arten, invasiven Arten oder seltenen Pflanzen enorm ist und in Afrika bislang weitgehend ungenutzt bleibt. Damit diese Methode zu einem etablierten Instrument wird, seien jedoch mehr wissenschaftliche Belege und vor allem mehr finanzielle Mittel erforderlich.
Schroeders Projekt mit Spürhunden wurde von Panthera und der Black-footed Cat Working Group unterstützt, doch es wird weiterhin zusätzliche Finanzierung benötigt.
Abseits der Arbeit und des unerbittlichen Tempos der Feldforschung teilen Schroeder, Brassine und Brummer eine gemeinsame Überzeugung: hunde sind nicht nur Arbeitstiere oder Teammitglieder, sondern auch lebenslange Begleiter. Und wenn sie gerade keine zwischen dem Gras versteckten Tiere aufspüren, wissen sie auch, wie man einfach Hund ist.
„Wir suchen nach Tieren mit einer fast schon obsessiven Spielfreude – normalerweise mit einem Ball, manchmal mit einer Frisbee –, denn dieser Antrieb ist für die Arbeit entscheidend“, sagt Brassine.
„Ebenso wichtig ist aber, dass sie auch abschalten können: sie müssen sich zu Hause entspannen und mit Menschen und anderen Tieren zusammenleben können.“

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