Pflanzen
Rafflesia enthüllt
Hallo Lykkers! Tief in den tropischen Wäldern Sumatras und Borneos wirkt die Rafflesia arnoldii fast wie ein Wesen von einem anderen Stern. Ihre rotbraune Blüte ist mit hellen Flecken übersät und kann einen Durchmesser von etwa einem Meter erreichen – damit ist sie die größte bekannte Einzelblume. Doch nicht ihre beeindruckende Größe ist der Grund für ihren Spitznamen „Leichenblume“. Der wahre Grund ist ihr starker Geruch,

der an verrottendes Fleisch erinnert. Für Menschen ist der Geruch unangenehm. Für die Blume hingegen ist er ein wichtiges Fortpflanzungsorgan.
Warum riecht die Rafflesia nach Aas?
Der eigentümliche Duft dient dazu, aasfressende Insekten anzulocken, insbesondere Fliegen, die normalerweise nach verwesenden Tieren suchen. Wenn eine Fliege in die Blüte fliegt, kann klebriger Pollen an ihrem Körper haften bleiben. Das Insekt kann diesen Pollen dann zu einer anderen Blüte tragen und so zur Übertragung von genetischem Material zwischen männlichen und weiblichen Blüten beitragen.
Diese Strategie ist im dichten Regenwald sinnvoll, wo die Suche nach geeigneten Bestäubern schwierig sein kann. Anstatt einen attraktiven, süßen Duft zu verströmen, imitiert die Rafflesia den Geruch von etwas, das Fliegen ohnehin suchen. Kew (die Königlichen Botanischen Gärten in London) berichtet außerdem, dass die Blüte Wärme erzeugen kann, wodurch sich ihr übler Geruch in der Umgebungsluft ausbreitet. Es ist eine ungewöhnliche Kombination aus Geruch, Aussehen und Temperatur, die die Blüte zu einem effektiven Signal für die angestrebten Bestäuber macht.

Die Pflanze verbringt den Großteil ihres Lebens verborgen
Das Überraschendste an der Rafflesia ist vielleicht nicht ihre riesige Blüte, sondern das, was passiert, wenn gar keine Blüte vorhanden ist. Anders als gewöhnliche Blütenpflanzen besitzt die Rafflesia arnoldii weder Wurzeln noch Blätter oder einen sichtbaren Stängel. Sie ist eine holoparasitäre Pflanze, die in Kletterpflanzen der Gattung Tetrastigma, einem Mitglied der Weinrebenfamilie, lebt.
Ein Großteil der Pflanze bleibt als zarte Gewebestränge im Inneren ihres Wirtes verborgen und nimmt Wasser und Nährstoffe auf, anstatt durch Photosynthese Nahrung zu produzieren.
Aufgrund dieser verborgenen Lebensweise kann man an ihrem Lebensraum vorbeigehen, ohne zu bemerken, dass eine Rafflesia in der Nähe wächst. Die Pflanze wird erst sichtbar, wenn ihre Knospe durch die Rinde des Wirtes bricht.
Eine Blüte, die nicht lange hält
Vor dem Aufblühen ähnelt eine Rafflesia-Knospe einer kleinen, kohlartigen Struktur. Nach der Entwicklung entfaltet sie sich schließlich zu ihrer riesigen, fünflappigen Blüte. Die Blüte ist rötlich-braun, fleischig und mit hellen Zeichnungen versehen, die zu ihrem ungewöhnlichen Aussehen beitragen. Die spektakuläre Blütenpracht ist bemerkenswert kurz. Laut Kew Gardens erscheint die Blüte nur etwa eine Woche lang, sodass sie selbst Besuchern geeigneter Regenwaldgebiete leicht entgehen kann.
Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass Rafflesia-Blüten nicht autark sind – jede Blüte erfüllt nur eine Funktion bei der Fortpflanzung. Für eine erfolgreiche Fortpflanzung muss daher Pollen zwischen kompatiblen Blüten übertragen werden. Aasfliegen sind dabei unverzichtbare Partner.
Nicht zu verwechseln mit der Titanwurz
Der Name „Leichenblume“ führt manchmal zu Verwechslungen, da Rafflesia arnoldii nicht die einzige Pflanze mit diesem Beinamen ist. Auch die Titanwurz (Amorphophallus titanum) verströmt einen Geruch, der an verrottendes Fleisch erinnert. Die beiden Pflanzen sind jedoch völlig unterschiedlich. Rafflesia bildet die größte Einzelblüte, während die Titanwurz einen riesigen Blütenstand ausbildet, der aus vielen kleinen Blüten besteht. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Fotos beider Pflanzen auf den ersten Blick verblüffend ähnlich aussehen können, während ihre Biologie bemerkenswert unterschiedlich ist.