Pflanzen

Bäume nicht überall

Bäume zu pflanzen gilt als eine der bekanntesten Maßnahmen gegen den Klimawandel.
Doch mehr Wald ist nicht automatisch die beste Lösung für jede Landschaft. Grasländer, Savannen und Buschlandschaften können eigenständige, ökologisch wertvolle Lebensräume sein.
Eine erfolgreiche Wiederherstellung muss deshalb berücksichtigen, welche Ökosysteme vor Ort bereits funktionieren, welche Arten dort leben und welche natürlichen Bedingungen herrschen.

Warum mehr Bäume nicht immer besser sind

Große Renaturierungsprogramme verfolgen ehrgeizige Ziele. Die Bonn Challenge etwa sieht vor, bis 2030 weltweit 350 Millionen Hektar degradierter und entwaldeter Flächen wiederherzustellen. Wiederherstellung bedeutet dabei jedoch nicht zwangsläufig, jede offene Landschaft in Wald umzuwandeln.
Grasländer, Buschlandschaften und Savannen werden manchmal fälschlicherweise als geschädigte Gebiete betrachtet, weil dort keine dichte Baumvegetation wächst. Tatsächlich handelt es sich bei vielen dieser Landschaften um alte Ökosysteme, die sich über lange Zeit an Trockenheit, unregelmäßige Niederschläge und schwierige Wachstumsbedingungen angepasst haben.
Eine großflächige Aufforstung kann solche natürlichen Systeme verändern. Sie kann Lebensräume beeinträchtigen, heimische Arten unter Druck setzen und in trockenen Regionen den Wettbewerb um ohnehin begrenzte Wasserressourcen verstärken.

Die versteckten Folgen des Aufforstens

Bäume nehmen Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf und speichern Kohlenstoff. Ihre Auswirkungen auf das Klima und die Umwelt gehen jedoch über die Kohlenstoffaufnahme hinaus.
In trockenen Gebieten kann eine großflächige Bepflanzung den Wasserverbrauch erhöhen. Werden Baumarten eingesetzt, die nicht zu den örtlichen Bedingungen passen, können sie den Abfluss von Flüssen und Bächen sowie die verfügbaren Grundwasserreserven beeinflussen. Dadurch kann weniger Wasser für Landwirtschaft und lokale Gemeinden zur Verfügung stehen.
Auch das Sonnenlicht spielt eine Rolle. Offene Graslandschaften und helle Böden reflektieren häufig einen größeren Teil der Sonnenenergie als dunkle Baumkronen. Diese Eigenschaft wird als Albedo bezeichnet. Werden solche Flächen durch Wald ersetzt, sinkt ihre Rückstrahlfähigkeit.
Dadurch kann ein Teil des erwarteten Klimaeffekts durch die zusätzliche Kohlenstoffspeicherung wieder abgeschwächt werden.
Das bedeutet: selbst wenn Bäume an einem ungeeigneten Standort erfolgreich wachsen, ist damit nicht automatisch ein größerer Nutzen für das Klima verbunden.

Was Afrikas Trockengebiete zeigen

Afrika liefert zahlreiche Beispiele dafür, warum Renaturierung an die örtlichen Bedingungen angepasst werden sollte.
Die Great Green Wall wurde 2007 ins Leben gerufen und ursprünglich als weitreichender Baumgürtel durch die Sahelzone konzipiert. Inzwischen verfolgt die Initiative einen breiteren Ansatz, der unter anderem die Wiederherstellung von Landschaften, nachhaltige Landwirtschaft und die Widerstandsfähigkeit lokaler Gemeinschaften umfasst.
Ein besonders interessantes Beispiel findet sich in Niger. Dort setzen Landwirte auf die sogenannte Farmer-Managed Natural Regeneration. Statt ausschließlich neue Setzlinge zu pflanzen, schützen und pflegen sie Bäume und Sträucher, die aus bereits vorhandenen Wurzeln, Baumstümpfen oder Samen wieder austreiben.
Auf diese Weise können sich heimische Gehölze entwickeln, die bereits an das regionale Klima angepasst sind. Untersuchungen und Berichte zu Niger zeigen, dass solche Methoden auf großen Flächen eingesetzt werden und gleichzeitig landwirtschaftliche Erträge, Bodenfruchtbarkeit und die Widerstandsfähigkeit der Landschaft unterstützen können.
Auch aktuelle Ansätze innerhalb der Great Green Wall setzen verstärkt auf natürliche Regeneration und die Einbindung lokaler Gemeinschaften.

Klimaschutz neu denken

Bäume zu pflanzen bleibt dort eine wichtige Maßnahme, wo Wälder zerstört wurden und geeignete heimische Arten wieder angesiedelt werden können. Problematisch wird es, wenn die Zahl gepflanzter Bäume wichtiger wird als die ökologischen Folgen.
Erfolgreiche Renaturierung sollte nicht allein daran gemessen werden, wie viele Bäume in den Boden kommen. Entscheidend sind vielmehr gesunde Böden, stabile Wasserkreisläufe, widerstandsfähige einheimische Arten und bessere Lebensbedingungen für die Menschen vor Ort.
Deshalb kann wirksamer Klimaschutz auch bedeuten, bestehende offene Landschaften zu bewahren und ihre natürlichen Funktionen zu stärken. Die Wiederherstellung eines Ökosystems muss nicht immer darin bestehen, daraus einen Wald zu machen. Manchmal ist es sinnvoller, eine Landschaft dabei zu unterstützen, das zu bleiben, was sie von Natur aus ist.

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